Kann Krebs durch Fieber geheilt werden?

By Jörn / 30. April 2018

Immer wieder kommt es bei Krebspatienten zu Spontanheilungen. Jene Spontanheilung folgt in vielen Fällen unmittelbar nach einer schweren Infektion. Prof. Dr. Uwe Hobohm von der TH Mittelhessen ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen.

Krebs mit Fieber zu behandeln, ist keine neue Methode. Bei früheren Therapien wurden Krebspatienten über mehrere Wochen regelmäßig Bakterienextrakte verabreicht. Diese Verabreichung löste Fieber aus. Dr. Coley verwendete ab 1892 in New York eine Kombination aus Streptokokken und Bacterium prodigiosum und injizierte diese Substanz seinen Patienten. Die Krankheitserreger lösten einen starken, meist drei bis vier Stunden andauernden Fieberschub aus. In Folge dessen kommt es im Organismus zu einer Massenmobilisierung sämtlicher Immunaktivitäten. Mit seiner Fiebertherapie erzielte er beachtliche Heilungserfolge.

Die besten Erfolge gab es bisher bei:

  • Weichteilsarkomen
  • Darm- und Nierenkrebs
  • Eierstock- und Gebärmutterkrebs
  • malignen Melanomen
  • Brustkrebs

Der Therapiefolg war jedoch maßgeblich von der Reaktionsbereitschaft des Körpers abhängig.

Heute ist es kaum noch möglich, für solche Extrakte eine Zulassung als Medikament zu erhalten. Prof. Dr. Hobohm setzt daher auf die PAMP-Substanzen (pathogen-associated molecular pattern). Diese Substanz wird im menschlichen Körper normalerweise von schädlichen Keimen produziert. Dem Immunsystem wird so eine heftige Infektion vorgetäuscht. Daraufhin reagiert das Immunsystem mit Fieber.

Beachtlicher Heilungserfolg bei hunderten Patienten

Die Fiebertherapie wurde in der Vergangenheit bereits bei hunderten Krebspatienten genutzt. Es wurden teils beachtliche Heilungserfolge erzielt. Bei Bindegewebskrebs wurde ein Fünfjahres-Überlebensraten von 80 Prozent erzielt.
Des Weiteren wurden bei Versuchen an Mäusen mit Tumoren heilungserfolge nachgewiesen.

„Wenn die Leute von einer Krebstherapie hören, die wirksam und billig zugleich ist, wollen sie das kaum glauben. Doch die Behandlung mit Fieber, wir nennen sie heute PAMP-Therapie, hat schon vor über 100 Jahren zu spektakulären Heilungen geführt. Durch die Strahlen- und Chemotherapie ist sie weitgehend in Vergessenheit geraten.“

So beschreibt Prof. Dr. Uwe Hobohm von der TH Mittelhessen seinen Forschungsgegenstand.

Bei einer Studie konnte Hobohm aufzeigen, dass die  sehr sicher ist. Bei mehr als 130 Patienten führten über 500 Fieberstöße zu keiner einzigen schwerwiegenden Nebenwirkung. Die Therapie kann in jeder Hausarztpraxis durchgeführt werden. Bei Patienten, bei denen das Immunsystem durch Chemotherapie oder Bestrahlung geschwächt sind, sollten keine PAMP-Therapie durchgeführt werden.