Warum Frauen länger leben als Männer?

By Jörn / 23. März 2018

in fast allen Ländern ergibt sich das gleiche demographische Bild. Frauen leben länger als Männer. Das vermeintlich schwache Geschlecht ist (auch) im puncto Lebenserwartung und Gesundheit dem Mann überlegen. Doch woran liegt das? Wir wollen der Frage auf den Grund gehen und klären, warum Frauen länger leben als Männer?

Vorab eine gute Nachricht für alle Männer. Die Lebenserwartung von Männern stieg die letzten Jahrzehnte deutlich an. Vor allem in westlichen Industriestaaten und in Deutschland ist diese Entwicklung festzustellen. Statistisch sogar deutlich schneller als die von Frauen. Gemäß dem Bundesamt für Statistik lag die Differenz in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen 1981 bei sieben Jahren. Für ab 2016 geborene Jungen soll der Unterschied (nur) noch bei 3,8 Jahren liegen. Prognostiziert wird, dass Jungen die 2016 geboren wurden im Schnitt 81,5 Jahre alt werden und Mädchen 85,3 Jahre.  Der Trend scheint sich wohl auch weiterhin in diese Richtung zu bewegen.
Experten schließen in einigen westlichen Ländern sogar die Parität zukünftig nicht aus.

Warum Frauen länger leben als Männer?

Männer rauchen häufiger, ernähren sich ungesünder, gehen seltener zum Arzt und nehmen Vorsorgeuntersuchungen

seltener wahr, sterben häufiger bei Unfällen, trinken mehr Alkohol und üben häufiger gefährliche und gesundheitsschädigende Berufe aus. Des Weiteren sind Männer häufiger Opfer von Gewaltverbrechen, Mord und Krieg.

Die Verhaltensweise von Männern, so sind sich Wissenschaftler einig, stellt den Hauptgrund für die geringere Lebenserwartung dar. Aber auch hormonelle Gründe könnten eine Rolle spielen. Indirekt zumindest auf jeden Fall. Das männliche Hormon Testosteron bewirkt nämlich eine höhere Risikobereitschaft. Zudem fördert es die Entstehung von Arteriosklerose und Thrombosen. Das weibliche Hormon Östrogen wirkt hingegen gesundheitsfördernd. Nun ist es aber schwierig die biologischen Faktoren zu vergleichen und die Frau daher als biologisch überlegen zu sehen. So haben zwar Frauen einige biologische Vorteile in Hinsicht auf das Hormon Östrogen, doch es gibt im Gegenzug auch andere biologische Vorteile, die den Mann biologisch besser dastehen lassen. Ein Vergleich ist daher kaum möglich.

Die Klosterstudie

gestützt wird diese Annahme auch durch die Klosterstudie. In der Studie wurde die Lebenserwartung von  Mönchen und Nonnen verglichen.  Der Gedanke war, dass die Unterschiede in der Lebensweise von Männern und Frauen weniger stark ausgeprägt ist.  Tatsächlich kam heraus, dass der Unterschied in der Lebenserwartung  bei nur ca. einem Jahr lag. Die erheblich geringere Sterblichkeitsrate von Mönchen an Lungenkrebs und Herzversagen zu sterben, zeigt auf, dass alleine das Rauchverhalten  einen enormen Einfluss hat. Denn Mönche rauchen deutlich seltener. Die Studie wird übrigens weitergeführt.

Weiter erkennbar ist auch, dass Nonnen gegenüber Frauen, die nicht im Kloster leben, nur geringfügig länger leben.

Warum Frauen länger leben als Männer kann man also hauptsächlich oder möglicherweise alleinig, auf die Verhaltensweise zurückführen.

Kastrierte Männer leben länger

Südkoreanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Eunuchen im 16. bis 18. Jahrhundert länger lebten als nicht kastrierte Männer.  Der Unterschied war enorm.  Eunuchen lebten 14 bis 19 Jahren länger und wurden damit im Schnitt mehr als ein Jahrzehnt älter als Frauen.  Besonders auffällig war der hohe Anteil an Hundertjährigen der Kastraten.  Der Anteil lag im 16. bis 18. Jahrhundert sogar um ein Vielfachen höher als in den heutigen modernen Industriestaaten.

Sind die Hoden für das frühere Sterben von Männern verantwortlich?

Nichts steht wohl mehr für Männlichkeit und Stärke als die Hoden. Eigentlich ein ziemliches Paradox. Schließlich sind die Hoden die eigentliche Schwachstelle und Schmerzpunkt des Mannes. Zudem wird das vermeintlich gesundheitsschädliche Testosteron hauptsächlich in den Hoden gebildet. Die Kastration könnte also das Problem lösen.  Mit der Entfernung der Hoden wird auch die Produktion von Testosteron verringert. Zudem wird folglich die Produktion von Keimzellen eingestellt. Für die Produktion von Keimzellen braucht der Körper Energie, und das ein Leben lang. Diese Energie steht dann nicht mehr für die Abwehr von Krankheiten oder zur Reparatur von Gewebe zur Verfügung.

Haben Männer also einen Nachteil durch das Hormon Testosteron und die Hoden?

Auch diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die wissenschaftliche Auswertung der Eunuchen lässt zwar darauf hindeuten, jedoch ist das noch lange kein Beweis dafür.  Die Klosterstudie hat außerdem deutlich gemacht, dass die biologische Komponente eher eine untergeordnete Rolle spielt. Zumindest wenn es um die Erklärung geht, warum Frauen länger leben als Männer. Da die Kastraten jedoch seinerzeit deutlich länger lebten als Frauen, so kann durchaus nicht ausgeschlossen werden, dass die Entfernung der
Hoden die Lebenserwartung von Männer (über)-durchschnittlich ansteigen lässt.

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